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ROSENBERG

Daniel “Israel” ROSENBERG

Ein neues Rätsel hat sich aufgetan, als ich vor kurzem diverse Dokumente einer Nebenlinie meiner Vorfahren mütterlicher Seits ausgewertet habe. So ist mir aufgefallen, dass die Hochzeit einer Schwester meiner Urgroßmutter, Ella KAISER, am 27.12.1945, vermutlich in der Stadt Essen, stattgefunden hat. Bräutigam war Alfred ROSENBERG - und da es eine Nebenlinie war, maß ich dieser Aufzeichnung erstmal weniger Bedeutung bei.

Mit Erhebung der Daten fiel mir jedoch auf, dass die Hochzeit von Alfred ROSENBERG und Ella KAISER erst Ende 1945 stattfand; beide waren da schon jenseits der 50 Jahre alt. Ein weiterer Eintrag in diversen Unterlagen machte mich dann erst recht neugierig: Wenn es um den Wohnort von Daniel ROSENBERG, dem Vater des Bräutigams, ging, war jeweils nur vermerkt “Letzter Wohnort: Theresienstadt”.

Meine Recherche ergab, dass mit Transport VII/1 unter der Nummer 712 ein Daniel ROSENBERG von Düsseldorf nach Theresienstadt aufgeführt war. Der Transport verließ Düsseldorf am 21.07.1942 mit 965 Personen, überwiegend jüdischen Glaubens, und erreichte seinen Bestimmungsort am darauf folgenden Tag, dem 22.07.1942 (Zugnummer der Reichsbahn Da 70).Todesfallanzeige Daniel ROSENBERG

Ein weiteres Dokument war dann die “Todesfallanzeige des Ältestenrats des Ghetto Theresienstadt” unter der Sterbematrik 16.292. Hier wurde aufgeführt, dass Daniel Israel ROSENBERG aus Essen am 05.01.1943 in Theresienstadt an Erisypel (Rothlauf) verstorben ist. Als Religionszugehörigkeit wurde “mos.”, also “mosaisch”, angezeigt. Mosaisch bedeutet in diesem Fall “jüdischen Glaubens”.

Hier könnte die Geschichte nun enden, wäre da nicht eine Ungereimtheit, die einfach nicht in das Bild passen will: Der Sohn des Daniel ROSENBERG, der Bräutigam Alfred ROSENBERG, wird als “gottgläubig” - auch während der Zeit des Nationalsozialismus - geführt. Die Definition für “gottgläubig” lautet laut de.wikipedia.org:

Gottgläubig ist ein religiöses Bekenntnis aus der Zeit des Nationalsozialismus, das durch Erlass des Reichsinnenministeriums vom 26. November 1936 auf den Melde- und Personalbögen der Einwohnermeldeämter sowie den Personalpapieren eingeführt wurde. Als gottgläubig galt, wer sich von den anerkannten Religionsgemeinschaften abgewandt hatte, jedoch nicht glaubenslos war. Die Einführung des Begriffs war der Versuch, eine religiöse Identifikationsformel für Nationalsozialisten jenseits der Kirchen und sonstigen Glaubensgemeinschaften zu schaffen. Das Beiwort galt als „Ausweis besonderer ideologischer Nähe zum Nationalsozialismus“.

So stellt sich mir die Frage, wie der Sohn des nach Theresienstadt deportierten Daniel ROSENBERG, der seiner Vernichtung durch die Nazis aufgrund seines religiösen Glaubens zugeführt wurde, gottgläubig als “Ausweis besonderer ideologischer Nähe zum Nationalsozialismus” führen konnte. Diesem Rätsel werde ich weiter nachgehen und meine gewonnenen Erkenntnisse hier veröffentlichen.


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